Artikel für den
Weser-Kurier (Zoom) am
Freitag, 31.10.03
„Für uns wurden die Straßen
gesperrt“
Junge Bremer vertraten ihr Land am 3.
Oktober in Sachsen-Anhalt, und werben für ihr Projekt
„Es ist schon nicht schlecht, wenn
man wichtig wird.“ Ja, ganz besonders, wenn man durch
die Magdeburger Innenstadt von der Polizei eskortiert wird.
Der 21-jährige Pawel fand es „ganz witzig“
als stinknormaler Jugendlicher vorbei an wartenden Fans in
VIP-Bereiche zu schreiten und auf Empfänge, unter anderem
vom Bundespräsidenten, zu gehen. Pawel stammt aus Lettland
und ist Jude.
Zusammen mit anderen Jugendlichen unterschiedlichsten Glaubens
arbeitet er engagiert im Projekt „Stadtplan der Religionen“
– das ist ein Arbeitskreis innerhalb der „Nacht
der Jugend“. Als Auszeichnung für ihre soziale
Arbeit lud die sachsen-anhaltische Hauptstadt aus jeder Religion,
die in dem Projekt vertreten war, einen Jugendlichen zur Feier
zum Tag der Deutschen Einheit zu sich ein. Acht Jugendliche
sowie Begleiter vom Rathaus kamen zusammen.
Gemeinsam mit weiteren Bürgerdelegationen aus allen Bundesländern,
hochrangigen Politikern und Unterhaltungskünstlern feierten
sie in Magdeburg die Wiedervereinigung. Als es morgens zum
Ökumenischen Gottesdienst ging, zweifelte die 15-jährige
evangelische Christin Johanna, ob die anderen davon begeistert
wären. Zum Schluss hätten es aber alle zumindest
interessant gefunden, und sie meint freudig „daran sieht
man, dass wir auf andere Religionen neugierig sind.“
Über das angebotene Programm war sie begeistert.
Verglichen mit den anderen Abgesandten fand Petra (27) von
Brahma Kumaris, dass die Bremer noch sehr jung und „sehr
bunt gewürfelt“ waren. Johanna bestätigt,
„wir hatten verschiedene Hautfarben“. Für
den Stadtplan der Religionen wünscht sich Bessem, dass
„noch mehr Jugendliche aktiv dabei sind“. Der
23-jährige ist Jugendbetreuer einer evangelischen Gemeinde,
Moslem und stammt aus dem Libanon. Wie versteht man sich denn
untereinander? Kamil, ein türkisch stämmiger Moslem
von 25 Jahren erzählt von seiner Begegnung mit Pawel:
„Wir haben uns gegenseitig angehört.“ Davor
kannte er Juden nur aus dem Fernsehen. „Das ist kein
gutes Beispiel“, sagt er nachdenklich. Über die
Religionen stellt Johanna fest, „es gibt Gemeinsamkeiten
aber auch Trennlinien, über die man aber sehr gut hinwegkommen
kann, wenn man befreundet ist“ oder zumindest „sich
verstehen will“.
Zum besseren Verstehen veranstalten die jungen Leute während
der Nacht der Jugend am 4. November auch ein Diskussionsforum
mit dem Thema „Religion- wozu? Was glaubst du?“.
Beginnen soll sie um 19.30 Uhr im Rathaus.
Interessierte Jugendliche können sich bei Susanne Bukta
nach weiteren Aktivitäten des Projekts erkundigen. Mit
der elektronischen Post unter der Adresse susanne@bukta.de
oder man hinterlässt eine telefonische Anfrage unter
der Nummer 361-4955.
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